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Die internationalen Anwärter auf Gelb

Die Wertungstrikots suchen ihre Abnehmer Bild: Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Tour de France – Beim Auftaktzeitfahren der 109. Tour de France schielen mit Stefan Bissegger und Stefan Küng gleich zwei Schweizer auf das begehrte gelbe Leadertrikot. Doch die Konkurrenz ist gross. Ein Überblick.

Filippo Ganna

Filippo Ganna ist ohne Zweifel der Mann, den es beim Tour-Auftakt in Dänemarks Hauptstadt zu schlagen gilt. Der Italiener gewann in den letzten beiden Jahren Zeitfahr-Gold. Bei Grand Tours ist er in seiner Lieblingsdisziplin noch ungeschlagen. Bei seinen zwei Giro-Teilnahmen 2020 und 2021 entschied der Bahn-Olympiasieger von Tokio sämtliche fünf Prüfungen gegen die Uhr für sich. Nun folgt sein Debüt an der Tour de France. In diesem Jahr hat der Ineos-Profi unter anderem beim Tirreno-Adriatico und der Dauphiné-Rundfahrt wieder zugeschlagen. Letztmals in einem Zeitfahren geschlagen wurde Ganna im Februar an der UAE Tour von ... Stefan Bissegger und im letzten Herbst an der EM von ... Stefan Küng.

Wout van Aert

Der Alleskönner aus Belgien ist einer der Hauptkonkurrenten von Ganna im Kampf um das erste Maillot jaune. Die letzten beiden WM-Zeitfahren schloss Van Aert hinter dem Italiener als Zweiter ab. Bei der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt fuhr er gleich drei Etappensiege ein, einen davon am zweitletzten Tag in einem Zeitfahren. An 22 Renntagen in dieser Saison stand der 27-Jährige vom Team Jumbo-Visma unfassbare 14 Mal auf dem Podest, davon fünf Mal als Sieger, einmal im Zeitfahren bei Paris-Nizza. Zuletzt plagten Van Aert jedoch immer wieder Knieschmerzen, weshalb er zwischenzeitlich mit dem Training aussetzen musste. Deshalb äusserte er sich zwei Tage vor dem Tour-Start zum Formstand zurückhaltend: "Ich hoffe nur, dass am Freitag bei einer so kurzen Anstrengung wie dieser das ganze Training der letzten Monate nicht völlig verschwunden ist."

Tadej Pogacar

Für Tadej Pogacar geht es nach seinen beiden Gesamtsiegen in den letzten beiden Jahren nur darum, auch heuer wieder als Führender in der Gesamtwertung auf die Zielgerade auf den Pariser Champs Elysées einbiegen zu können. Mit seinen Allrounder-Qualitäten hat der junge Slowene allerdings auch gute Karten, bereits von Tag 1 an wieder ins gelbe Leadertrikot schlüpfen zu können. Bei seinem Triumph im letzten Sommer fuhr er den ersten seiner drei Tagessiege im Zeitfahren ein. Auf einer gut doppelt so langen Strecke wie am Freitag in Kopenhagen distanzierte Pogacar den zweitplatzierten Stefan Küng um 19 Sekunden. Es war der Startschuss einer beeindruckenden Triumphfahrt durch Frankreich.

Primoz Roglic

Roglics letzte Erinnerungen an das Maillot jaune sind keine guten. Vor zwei Jahren wurde der Slowene am vorletzten Tag im Bergzeitfahren nach La Planche des Belles Filles von seinem Landsmann Pogacar abgefangen und musste sich in Paris mit Platz 2 begnügen. Bei der letztjährigen Ausgabe musste er von Sturzverletzungen geplagt schon nach der ersten Tour-Woche das Handtuch werfen, um nur zwei Monate später zum dritten Mal hintereinander an der Vuelta zu triumphieren. Dazwischen gewann Roglic in Tokio Olympia-Gold im Zeitfahren, der ursprünglichen Spezialdisziplin des früheren Juniorenweltmeisters im Skispringen. In diesem Jahr klappte es für den Teamkollegen von Van Aert jedoch noch nicht mit einem Sieg im Kampf gegen die Uhr, trotz seinen Gesamtsiegen bei Paris-Nizza und zuletzt dem Critérium du Dauphiné.

Jonas Vingegaard

Vingegaard kam 2021 wie Phoenix aus der Asche und ist der grosse Hoffnungsträger der Dänen. Als im letzten Jahr Roglic früh aus der Tour ausschied, sprang der ursprünglich als Helfer vorgesehene Vingegaard für seinen Teamkollegen in die Bresche und beendete die "Grande Boucle" sensationell als Gesamtzweiter - notabene bei seinem Debüt. In den beiden Zeitfahren belegte er - einmal vor und einmal hinter Küng - den 3. Rang. Seither hat Vingegaard nicht nur seine Zeitfahr-Qualitäten verbessert, sondern auch im mentalen Bereich an sich gearbeitet. Beim Grand Départ in seiner Heimat ist der Druck enorm, der auf seinen Schultern lastet. Doch Vingegaard versichert: "Die Ausgangslage ist diesmal eine ganz andere. Aber ich kann mit dem Stress umgehen. Ich habe das Selbstvertrauen und weiss, was ich im letzten Jahr geleistet habe." Zusammen mit seinem Teamkollegen Roglic gehört Vingegaard zu den grössten Herausforderern Pogacars im Kampf um den Gesamtsieg.

Matthieu van der Poel

Der Niederländer ist wie Wout van Aert vielseitig begabt - und wie dem Belgier ist auch ihm auf praktisch jedem Terrain alles zuzutrauen. Setzt sich Van der Poel etwas zum Ziel, dann verfolgt er dieses mit aller Konsequenz - egal, ob auf der Strasse, mit dem Mountainbike oder bei Quer-Rennen. Dass er von seinen 39 Profisiegen noch keinen im Zeitfahren errungen hat, hält ihn nicht davon ab, nach seinem erfolgreichen Tour-Debüt 2021 erneut das Maillot jaune ins Visier zu nehmen. Im letzten Jahr fuhr der viermalige Quer-Weltmeister in der ersten Tour-Woche während sechs Tagen in Gelb. Auch im ersten von zwei Zeitfahren verteidigte er dieses erfolgreich.

  • Filippo Ganna, Zeitfahr-Weltmeister 2020 und 2021 Bild: Keystone/EPA ANSA/LUCA ZENNARO
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  • Wout van Aert, WM-Zweiter im Zeitfahren 2020 und 2021 Bild: Keystone/AP/DANIEL COLE
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  • Tadej Pogacar, Sieger der Tour de France 2020 und 2021 Bild: Keystone/EPA/GUILLAUME HORCAJUELO
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  • Primoz Roglic, Vuelta-Sieger 2019, 2020 und 2021 Bild: Keystone/EPA EFE/MANU BRUQUE
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  • Jonas Vingegaard, überraschender Tour-Zweiter 2021 Bild: Keystone/LaPresse/FABIO FERRARI
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  • Mathieu van der Poel, immer für eine Überraschung gut Bild: Keystone/LaPresse/FABIO FERRARI
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Keystone-SDA