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21.07.2021
25.07.2021 06:14 Uhr

Uneinheitliche Rechtslage beim Anbau von Marihuana Samen

Im Gegensatz zur Schweiz ist es In Deutschland nur industriellen Betrieben erlaubt, Cannabis für medizinische Zwecke anzubauen. Bild: Pixabay
Deutschland ist das Land mit den strengsten Gesetzen zu Cannabis und Marihuana in der EU, die Schweiz geht mit dem Thema deutlich liberaler um. Grundsätzlich ist schon der Besitz von Hanfpflanzen und sämtlicher ihrer Komponenten in Deutschland verboten. Allerdings treten immer mehr Ausnahmeregelungen in Kraft, wodurch sich die Gesetzgebungen der beiden Länder annähern.

Mittlerweile ist der Cannabisanbau in Deutschland für Industrieunternehmen erlaubt. Während der Besitz von Marihuana-Samen nicht strafbar ist, drohen für deren Anbau jedoch Strafen, die bis hin zu Gefängnis reichen. In der Schweiz sind die Strafen deutlich milder. Allerdings ist ein klarer Wandel im Umgang mit Cannabis festzustellen. Dieser Artikel erläutert Gemeinsamkeiten und Unterschiede, was die rechtliche Situation in Deutschland und der Schweiz beim Anbau von Marihuana Samen betrifft.

"Legales Cannabis" in der Schweiz

In Deutschland gilt das Betäubungsmittelgesetz (BtMG), das den Umgang mit Cannabis und Haschisch reglementiert. Es sagt aus, dass sämtliche zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen, das Tetrahydrocannabinol (THC) und verschiedene Varianten davon in Deutschland verboten sind. Das bedeutet, dass die gesamte Hanfpflanze in Deutschland illegal ist, was auch die Samen und die Blüten betrifft. In der Schweiz gibt es hingegen „legales Cannabis“. Hierbei handelt es sich um Cannabis mit einem THC-Gehalt bis zu einem Gramm, das nicht unter das Betäubungsmittelgesetz der Schweiz fällt.

Das deutsche BtMG ist sehr detailliert und verbietet alle mit Cannabis verbundenen Tätigkeiten. So ist es untersagt, Marihuana Samen anzubauen, Cannabis herzustellen oder Handel mit Marihuana zu betreiben. Die Einfuhr und Ausfuhr von Cannabis ist ebenso verboten wie die Abgabe oder die Inverkehrbringung. Wer mit Cannabis erwischt wird, muss mit teilweise empfindlichen Strafen rechnen. Auch hier unterscheidet sich der Umgang der Schweiz stark von dem deutschen Vorgehen. Hier wird teilweise gezielt Cannabis mit einem niedrigen THC-Gehalt hergestellt, um dieses in andere Länder wie Frankreich exportieren zu können.

Immer mehr Ausnahmeregelungen treten in Kraft

Eine wortwörtliche Auslegung des Betäubungsmittelgesetzes ist heutzutage weder in Deutschland noch in der Schweiz üblich. Stattdessen kommen verschiedene Ausnahmeregelungen zur Anwendung, die den Einsatz von Cannabis betreffen und zu einem deutlichen Wandel in der deutschen Cannabis Gesetzeslage führen. Die erste setzte 2009 ein, als Cannabis für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen wurde. Somit war es möglich, im wissenschaftlichen oder öffentlichen Interesse an der Pflanze zu forschen. Auch für die medizinische Verwendung durfte es grundsätzlich eingesetzt werden.
Seit 2011 ist es in Deutschland vollkommen legitim, Cannabis für Arzneimittel zu verwenden. Diese sind jedoch nicht frei verkäuflich sondern verschreibungspflichtig. Seit 2017 ist es in Ordnung, Cannabis als Medizin zu verwenden. Zudem möchte die Bundesregierung nicht abhängig von ausländischen Anbietern sein und hat deswegen einen offiziellen Cannabisanbau in Deutschland in die Wege geleitet. Hierdurch soll der wachsende Bedarf an medizinischem Cannabis gedeckt werden. Die Schweiz geht in diesem Zusammenhang ähnlich vor. Eine Legalisierung von Cannabis wird diskutiert, ist aber (noch) nicht in Kraft. Für Forschungszwecke wird Cannabis in der Schweiz eingesetzt, hier ist aber auch der private Konsum von Cannabis, das nicht unter das BtMG fällt, legitim.

Unterschiedlich strenge Gesetze, was den Umgang mit und den Anbau von Cannabis angeht. Bild: Pixabay JR Byron

Cannabisanbau in Deutschland und der Schweiz

Seit 2017 ist der Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland erlaubt. Schon jetzt profitieren viele Menschen von dieser Regelung. Bisher musste Marihuana für medizinische Zwecke aus Kanada oder den Niederlanden importiert werden. Mit der gelockerten Gesetzgebung ist es möglich, den Bedarf an Marihuana über den deutschlandweiten Anbau zu decken. In Der Schweiz kommt Cannabis zu medizinischen Zwecken ebenfalls zum Einsatz. Das ist insbesondere bei chronischen Schmerzen, Appetitlosigkeit und neurologischen Krankheiten wie Spastiken der Fall. Der Einsatz im medizinischen Bereich ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
Zu berücksichtigen ist allerdings, dass das deutsche Betäubungsmittelgesetz lediglich vorsieht, das Unternehmen und Gewerbetreibende, die Cannabis industriell herstellen, Hanf in Deutschland anbauen dürfen. Das bedeutet, dass der Anbau für den Eigenbedarf weiterhin illegal ist und sich keine Hobbyanbauer um die staatlichen Aufträge bemühen dürfen. Ihre Arbeit ist und bleibt illegal. In diesem Zusammenhang zeigt sich die deutsche Rechtsprechung äusserst streng, wohingegen wir in der Schweiz eher liberal damit umgehen.

Der Besitz von Marihuana Samen

Das Problem mit Cannabis in Deutschland und der Schweiz ist das THC. Die berauschende Wirkung der Cannabispflanze ist verpönt und soll illegal bleiben. Entsprechend ist die gesamte Hanfpflanze in Deutschland verboten, da aus ihr Cannabis mit unterschiedlich hohem THC-Gehalt gewonnen werden kann. Diese Regelung betrifft sogar Cannabis Samen, die noch gar kein THC ausgebildet haben.
Allerdings wird der Besitz von Marihuana in geringen Mengen in Deutschland und der Schweiz von den Strafbehörden meist nicht weiterverfolgt. Hierbei ist jedoch nicht das Gewicht des Cannabis ausschlaggebend, sondern die Menge an THC. Grundsätzlich wird der Besitz von weniger als 0,2 Gramm in Deutschland beziehungsweise weniger als 1,0 Gramm in der Schweiz stillschweigend geduldet.
Entsprechend ist es legal, Cannabis Samen im Ausland zu erstehen und nach Deutschland zu bringen, da diese weniger als 0,2 Gramm THC enthalten, beziehungsweise Cannabis Samen in der Schweiz herzustellen und zu exportieren.

Der Anbau von Marihuana Samen

Während der Besitz von Marihuana Samen sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland grundsätzlich unbedenklich ist, bleibt deren Anbau in Deutschland streng verboten. Sobald aus den Samen Pflanzen gezüchtet werden, machen sich die Betroffenen strafbar. Cannabis Samen für andere Zwecke anzuwenden ist jedoch durchaus möglich. Mittlerweile gibt es in Deutschland und der Schweiz eine beachtliche Zahl an Anbietern und Samenbanken, die Cannabis Samen innerhalb der EU verschicken. Diese können beispielsweise in speziellen Ölen als Nahrungsergänzungsmittel genutzt oder In Speisen verarbeitet werden. Wichtig ist es, dass kein hoher THC Gehalt erreicht wird und der private Anbau der Hanfsamen unterbleibt.

Der Umgang mit Cannabis wandelt sich

Der Umgang mit Cannabis wandelt sich in Deutschland aktuell spürbar und wird eher liberal wie in der Schweiz gehandhabt. In beiden Ländern werden immer mehr Stimmen laut, die sich für eine Legalisierung von Cannabis stark machen. Einige davon sind in der Politik verankert. So setzen sich beispielsweise Bündnis 90/Die Grünen für eine liberale Gesetzgebung im Umgang mit Cannabis ein. Da bereits Ausnahmeregelungen für den medizinischen Bereich getroffen wurden, ist es nicht ausgeschlossen, dass auch weitere Schranken fallen. Beispielsweise werden derzeit Cannabis Pilotprojekte mit nicht medizinischem Cannabis gestartet.
Die europäische Politik im Umgang mit Cannabis sorgt dafür, dass ein recht hoher Druck auf der deutschen Bundesregierung lastet. In den meisten europäischen Ländern wird mit Cannabis liberal umgegangen und teilweise ist es sogar erlaubt. Warum hält man in Deutschland eine harte Gesetzgebung in Bezug auf Cannabis aufrecht und weshalb gibt es nur so wenige Ausnahmeregelungen? Zumeist werden der Jugendschutz und die Suchtprävention als Gründe ins Feld geführt. Da es in anderen Ländern wie der Schweiz jedoch trotz einer liberaleren Gesetzgebung zu keiner Cannabis-Ausbreitung gekommen ist, bleibt die Stringenz dieser Argumente offen.

Fazit

Der Besitz von Marihuana Samen ist in der Schweiz und in Deutschland grundsätzlich kein Problem. Das liegt daran, dass solche Samen noch kein THC ausbilden konnten, das eine berauschende Wirkung auslöst.
Zu beachten ist jedoch, dass solche Samen nur für medizinische Zwecke oder als Nahrungsergänzungsmittel genutzt werden dürfen. Ein Anbau von Hanfpflanzen ist weiterhin illegal. Die Möglichkeit zum Anbau von Cannabis in Deutschland ist nur Industrieunternehmen gegeben. Der Anbau für private Zwecke durch Privatpersonen bleibt hingegen verboten. Zwar findet aktuell ein weitläufiger Diskurs zum Umgang mit Cannabis in der Schweiz und in Deutschland statt und die öffentliche Meinung wandelt sich, es ist allerdings noch ein weiter Weg, bis Cannabis tatsächlich legal werden könnte.

herisau24.ch / jg