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Wirtschaft
13.03.2022
14.03.2022 08:19 Uhr

Dr. Gut: "TX Group – Bettler schwimmt im Geld"

Dr. Philipp Gut über Pietro Supinos (r.) TX Group, die 833 Millionen Franken Gewinn macht und erst unter Druck vom Bund die Corona-Nothilfe «freiwillig» zurückzahlt. Bild: Linth24
Das grösste Schweizer Medienhaus meldet einen Gewinn von 833 Millionen Franken. Dennoch bezog es ungeniert «Corona-Nothilfe» vom Staat. Erst jetzt, da deswegen ein Verfahren läuft, zahlt es sie zurück.
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

Die TX Group («Tages-Anzeiger» u.a.) frohlockt. Für das Jahr 2021 meldet sie einen Gewinn von 832.7 Millionen Franken. Das Geschäft erholte sich trotz Pandemie stark. Zum Bombenergebnis trug ein hoher Buchungsgewinn bei durch den Zusammenschluss des Onlinemarktgeschäftes mit Ringier, dem anderen Mediengiganten der Schweiz.

Die Aktionäre dürfen sich freuen: Sie erhalten eine ordentliche Dividende von 3.20 Franken plus eine Sonderdividende für den Online-Milliardendeal von 4.20 pro Aktie.

Stimmvolk lag richtig

Die TX Group verkündete das Rekordergebnis weniger als vier Wochen nach der Volksabstimmung über das Mediengesetz, welches das Stimmvolk mit fast 55 Prozent Nein deutlich ablehnte. Der im Geld schwimmende TX-Group-Präsident Pietro Supino ist zugleich Präsident des Verbands Schweizer Medien, der die Ja-Kampagne führte und um Steuergeld für die reichen Verleger bettelte.

Die nun kommunizierten fetten Gewinne der TX-Group zeigen, dass das Stimmvolk richtig lag und das unwürdige Schauspiel der Verleger durchschaute. Medienmillionäre brauchen keine Steuermilliarden.

Supino flunkert

Trotz dem 800-Millionen-Gewinn klammerte sich die TX Group bis zur Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag, 10. März 2022, an eine «Corona-Nothilfe» von 3.1 Millionen Franken. Diese zusätzlichen Millionen wurden ihr vom Parlament auf dem Silbertablett serviert. Ohne jede Not, wie sich zeigt.

TX-Group-Chef Supino betont, die angekündigte Rückzahlung erfolge freiwillig. Abgesehen davon, dass sie reichlich spät und erst im Zusammenhang mit dem verkündeten Mega-Gewinn für das vergangene Jahr erfolgt, ist das nachweislich geflunkert.

Druck des Bakom

Denn für die «Nothilfe»-Bezüger besteht ein Dividendenausschüttungsverbot. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat deshalb ein Verfahren gegen die TX Group eingeleitet. Dazu schrieb es mir auf eine entsprechende Recherche bereits am 18. Januar: «Das Ausschüttungsverbot dient dazu, den Abfluss von Liquidität zu verhindern. Das Verbot erstreckt sich sowohl auf die Subventionsbeiträge als auch auf die übrigen Gesellschaftsmittel. Es gilt für jene Jahre, in denen ein Unternehmen Covid-Unterstützung erhalten hat. Schüttet ein Unternehmen Dividenden aus, obwohl es oder eine Tochtergesellschaft finanzielle Unterstützung erhalten haben, so muss es die unrechtsmässig bezogenen Beiträge zurückzahlen.» Das gelte auch für die TX Group.

Freiwilligkeit sieht anders aus. Und anständiges Verhalten mit Rücksicht auf die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler erst recht.

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 17 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Seine Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
Philipp Gut ist Buchautor, Verleger der «Umwelt Zeitung» und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Parteien, Verbände, Unternehmen und Privatpersonen.

www.gut-communications.ch

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Herisau24