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Kanton AR
20.05.2022

Für mehr Frauen in der Gemeindepolitik: PROMO Femina!

Bild: ar.ch
Von Mentoring, überparteilicher Unterstützung bis hin zu neuen Modellen in der Gemeindeführung – das Projekt «PROMO Femina» zeigt mit über 120 Massnahmen, wie Frauen leichter Zugang zu politischen Ämtern finden. Das neue Online-Tool und die ergänzende Studie unterstützen Gemeinden, Lokalparteien und Netzwerke und möchten einen Beitrag zur nachhaltigen Steigerung von politisch engagierten Frauen auf Gemeindeebene leisten. Das Projekt der Fachhochschule Graubünden wurde in Zusammenarbeit mit den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Graubünden, St. Gallen, Wallis und Zürich durchgeführt.

Zurzeit werden nur knapp ein Viertel der Sitze in den Schweizer Gemeindeexekutiven von Frauen besetzt. Etwas besser sieht die Situation in den Gemeindeparlamenten aus. Dabei geht diese deutliche Untervertretung der Frauen nicht auf eine systematische Diskriminierung, sondern auf ein zu kleines Angebot an Kandidatinnen zurück.

«Dabei handelt es sich nicht um einen Stadt-Land-Graben; die Untervertretung von Frauen in den Gemeindeexekutiven zeigt sich im ganzen Land», sagt Ruth Nieffer, Projektverantwortliche am Zentrum für Verwaltungsmanagement der FH Graubünden. «Mit unserem Forschungsprojekt verfolgen wir das Ziel, Frauen für ein politisches Engagement zu ermutigen. Dadurch werden die Gemeinden quasi automatisch bei der Ämterbesetzung unterstützt.» So bleibe das Milizsystem auf Gemeindeebene funktionsfähig und gleichzeitig würde ein wichtiger Beitrag zu Vielfalt und Gleichstellung geleistet. 

Nationale Kampagne «Helvetia ruft!» als Ansporn für Gemeinden 

Unterstützt wird das Projekt von den Gleichstellungsbüros der fünf Kantone Appenzell Ausserrhoden, Graubünden, St. Gallen, Wallis und Zürich sowie dem Schweizerischen Gemeindeverband. Die Forschenden der FH Graubünden haben in zahlreichen Workshops mit Gemeindepolitikerinnen, politisch interessierten Frauen und Expertinnen die Gründe für die spärliche Vertretung von Frauen in den Gemeindebehörden diskutiert. 

Mit gut 100 Teilnehmenden sind die Ergebnisse breit abgestützt. Entstanden ist eine Online-Plattform unter promofemina.fhgr.ch, wo zum einen über 120 Massnahmen mit Beispielen aus der Praxis illustriert und beschrieben sind. Diese richten sich an Gemeinden, Lokalparteien und (Frauen-) Netzwerke. Die Massnahmen sollen u.a. Wissenslücken zur Gemeindepolitik schliessen (z.B. politisch aktive Frauen als «Botschafterinnen» einsetzen oder Aufgabenprofile für Gemeindebehörden erstellen), unschlüssigen Frauen die Angst vor einer Kandidatur nehmen (z.B. Bootcamp für Gemeindepolitikerinnen, Mentoring durch erfahrene Gemeindepolitiker:innen, überparteiliche Unterstützung sicherstellen) oder die zeitliche Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Gemeindeamt verbessern (z.B. Präsenzzeiten verringern, flexiblere Arbeitsgruppen einsetzen). Zum anderen sind auf der Projekt-Webseite Tipps und Tricks, Informationen zur Gemeindepolitik und Videos für interessierte Frauen zu finden. Diese sollen den Eintritt in die Gemeindepolitik erleichtern und niederschwellig ermöglichen. Denn auf Gemeindeebene besteht Nachholbedarf. Dies untermauern die neuesten Zahlen der Studie für verschiedene Gemeindeämter. 

Wallis und Appenzell Ausserrhoden voraus 

Die Studie umfasst die 482 Gemeinden der beteiligten Kantone mit ihren Gemeindeexekutiven, -legislativen, den Rechnungs- resp. Geschäftsprüfungskommissionen (RPK/GPK) sowie den Schulbehörden. Der Anteil an Frauen in den Gemeindebehörden per Ende 2021 variiert – je nach Kanton, politischem Amt und kommunalen Strukturen sogar deutlich (vgl. Anhang). Dabei schwankt der durchschnittliche Frauenanteil zwischen 18.7 % in den RPK im Kanton Zürich und 61 % in den Schulbehörden im Wallis. Insgesamt zeigt sich die weibliche Untervertretung am deutlichsten in den RPK/GPK (Anteil von 23 %, Durchschnitt alle Gemeinden) sowie in den Gemeindeexekutiven (Anteil von 25 %). Letztere hat sich seit 2016 kaum verändert. Die Frauen dominieren dagegen in den Schulbehörden – mit einem Anteil von 55 % über alle Gemeinden betrachtet. Über alle Gemeindeämter hinweg betrachtet nehmen die Frauen in den Kantonen Wallis und Appenzell Ausserrhoden 42 % resp. 40 % der Sitze ein, gefolgt von den Kantonen Zürich (33 %), Graubünden (32 %) und St.Gallen (31 %). 

Rekrutierung bleibt schwierig, Frauen mit Potenzial 

In der Schweizer Politik nehmen Gemeinden nach wie vor eine bedeutende Stellung ein. Die auf lokaler Ebene getroffenen Entscheidungen beeinflussen am stärksten das tägliche Leben von uns allen. Die Besetzung von Gemeindeämtern bereitet aufgrund der tendenziell abnehmenden Bereitschaft in der Bevölkerung für ein formelles und ehrenamtliches Engagement Sorge. Abhilfe kann hier ein erleichterter Einstieg von Frauen in ein politisches Amt schaffen. Potenzial hierfür ist vorhanden. Entsprechend ist das Forschungsprojekt der FH Graubünden auch auf die Stärkung des in der Schweiz verwurzelten Milizsystems ausgerichtet, wovon auch die Wirtschaft und Zivilgesellschaft profitierten. 

Im Forschungsfeld Miliz- und Freiwilligentätigkeit beschäftigt sich das Zentrum für Verwaltungsmanagement der FH Graubünden mit der Schnittstelle zwischen Gemeinde und Freiwilligentätigkeit und entwickelt neue Ansätze, um das Potenzial der Freiwilligentätigkeit und deren Leistungen zugunsten der Gemeinden zu erhöhen. Dies mit der Überzeugung, dass ohne den Einsatz von Einzelpersonen, Vereinen und Organisationen viele Leistungen der Gemeinden nicht möglich wären. Freiwillige und nebenberuflich Tätige tragen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des gesellschaftlichen und kulturellen Erbes sowie zu einer höheren Lebensqualität in den Gemeinden bei.

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ar.ch