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Auto & Mobil
25.07.2022

Ein wagemutiger Rennfahrer als OK-Präsident – Teil eins

Erwin Steingruber mit seinem FEE-Super-Vau-Boliden, mit dem er dreimal Schweizer Meister wurde Bild: zVg
Nur noch wenige Wochen, bis sich wieder mehrere tausend Zuschauer am 20. und 21. August auf den Weg zum Bergsprint nach Walzenhausen machen können. Wo OK-Chef Erwin Steingruber mit seinem Team alles bestens vorbereitet hat.

Wer hätte gedacht, dass der stets freundliche, stets lächelnde Autowerkstattbetreiber Erwin Steingruber aus Walzenhausen, der immer umsichtig agierende und zuerst auf die Sicherheit achtende Präsident des Organisationskomitees des Bergsprints Walzenhausen einst ein wagemutiger und dreister Rennfahrer war?

Dass Steingruber in einem zerbrechlichen Super-Vau Open-Wheel-Boliden gleich drei Jahre in Folge den Titel eines Schweizer Meisters bei auf Berg- und Rundstrecke gewann? Und dann in einem March Formel II einige Jahre das Feld aufmischte?

Erwin Steingruber, Ex-Rennfahrer, OK-Präsident des Bergsprint Walzenhausen und Werkstattbesitzer Bild: Ulrike Huber

Erwin Steingruber: «Ich war als Automech beim Eggenberger in Heerbrugg in die Lehre gegangen. Den Beruf hatte ich ausschliesslich deshalb gewählt, weil ich Autorennen fahren wollte. Mit meinen vier Geschwistern bin in als gebürtiger Urnäscher in Walzenhausen aufgewachsen. Da ich der Älteste war, durfte ich mit meinem Vater immer wieder zum Motocross gehen. Wo ich die leeren Flaschen sammelte, damit ich mit dem Pfand ein wenig Geld hatte. Ich kann mich gut erinnern, wie ich auch bei den Motorbootrennen in Fussach und Hard dabei war, wo 1966 sogar ein Weltmeisterschaftslauf ausgetragen wurde. Mit zwölf Jahren bin ich allein hingegangen. Die vielen Leute, das Brüllen der Motoren, die Geschwindigkeit, das war meine Welt. So bin ich mit meinem Töffli als Jugendlicher auch immer zum Bergrennen nach Hemberg gezuckelt.»

Bei VW- und Audi-Eggenberger in Heerbrugg waren eigentlich schon drei Lehrstellen besetzt und keine offen. Doch Erwin Steingruber ist alleine dort zum Chef ins Büro gegangen und hat sich vorgestellt. Ohne Eltern. Aber mit der Empfehlung eines Berufsberaters, der attestiert hatte, der junge Mann sei gut. Also hatte der Eggenberger dann auch vier Lehrlinge.

«Ich wollte ja wie alle anderen zunächst Tourenwagen fahren und fragte nach der Lehre bei Eggenberger, ob er mir nicht einen Audi 50 für die Rennen habe. Er hatte aber kein Gehör dafür. Aber kurz darauf, ich war noch keine zwanzig Jahre alt, traf ich Louis Christen in seiner Stammbeiz in Wienacht. Er war damals schneller Formel Vau und Super Vau Fahrer, später über Jahrzehnte erfolgreicher Konstrukteur und Produzent von Seitenwagenmotorrädern für den Strassensport. Seine Seitenwagen gewannen etwa zwanzig Jahre lang immer die Weltmeisterschaft in der Herstellerwertung.

Ich suchte damals einen Anhänger. Der ebenfalls anwesende Motocrosser und Autorennfahrer Kurt Kellenberger wusste, wo einer stand. An Ort und Stelle sah ich, dass auf dem Anhänger ein schwer demolierter Formel Vau stand. Sofort gekauft und sofort angefangen, an dem Auto herumzuflicken und zu basteln und an das gleichzeitig geänderte Reglement anzupassen.»

Erwin Steingruber im FEE-Super-Vau, einem in unserer Region gebauten Rennboliden Bild: zVg

Am Tag vor der Lizenzprüfung musste der hoffnungsfrohe werdende Rennfahrer natürlich sein selbst renoviertes Gefährt, das er zum Beispiel mit einer VW-Käfer-Vorderachse versah, auch noch einmal testen. Also mitten in der Nacht auf die Strasse und mit Vollgas nach Walzenhausen hinein und wieder zurück. Lange haben sie sich in Walzenhausen gefragt, woher zur dunkelsten Nachtstunde ein infernalischer Lärm kam, der die Fensterscheiben in ihren Rahmen erzittern liess.

«Bei der Lizenzprüfung, die vom Berg-Europameister Xavier Perrot in Hockenheim abgenommen wurde, habe ich mich gleich einmal gedreht und bin in der dritten Runde in die Leitplanken gekracht. Ich habe dann alles gleich repariert und bin weitergefahren und erhielt letztlich eine super Bewertung. Mein erstes Rennen überhaupt mit dem Formel-Vau war dann auf dem Verkehrsübungsplatz in Hohenems, wo das Gerät einfach nicht gescheit einlenken wollte. Aber nach dem Einbau eines selbstbastelten Lenkhebels ist das Auto gegangen wie die Sau. Das alles war 1975. Und schon 1976 konnte ich den Titel des schnellsten Nachwuchsfahrers erringen.»

Wie die sportliche Karriere von Erwin Steingruber weiterging, und wie er zu seinen drei Schweizer Meistertiteln gerast ist, erfahren Sie in den nächsten Tagen.

rheintal24/herisau24/gmh/uh