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Wirtschaft
13.08.2022

Aktienmärkte – US-Teuerung lässt nach

Bild: zVg.
Grosse Erleichterung und eine Erholung der Aktienmärkte gab es dank besseren US-Inflationszahlen für den Monat Juli. Die Hoffnungen auf eine weniger straffe Geldpolitik steigen wieder.

Ein überraschend starker Rückgang der US-Inflation von 9.1 auf 8.5 Prozent liess die Aktien wieder steigen. Ursachen sind tiefere Rohstoffpreise, vor allem beim Rohöl. Davon profitierten insbesondere Technologie und Finanzwerte, Branchen, die am meisten sensitiv auf Zinsen reagieren. In der Schweiz war die Erholung geringer. Der Pharmasektors bremste den Anstieg.

Der US-Senat verabschiedet Bidens grosses Klima- und Sozialpaket. Die Gelder umfassen rund USD 370 Mrd. für Energiesicherheit und Klimaschutz, sowie USD 64 Mrd. für die Gesundheitsversorgung.
Arbeitsmarkt Schweiz - gemäss Angaben des Staatssekretariats SECO waren Ende Juli 91‘474 Arbeitslose bei den regionalen RAVs gemeldet, das sind 1‘037 weniger als im Juni. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 2.0%. Weiterhin gross sind die Diskussionen betreffend Gas und Elektrizität. Die Regierungen rufen zu Sparmassnahmen auf, tun aber momentan nichts Konkretes zur Verstärkung der Energieversorgung.

Beim Ukrainekrieg verlagern sich die Kämpfe auf den Osten des Landes und die Inseln im Schwarzen Meer. Der Konflikt zwischen China und Taiwan ist medial in den Hintergrund gerückt. Skeptiker sehen aber bloss als eine Art Waffenstillstand. Längerfristig beabsichtige China die Annexion.
Ganz Europa leidet unter Hitze und Trockenheit. Niedrigwasser der Flüsse verteuert den Transport von Benzin und Diesel. Bauern und Winzer rechnen allerdings mit Rekordernten bezüglich Obst und Wein.
Die Währungen veränderten sich nur wenig. Die Währungspaare USD/CHF beliefen sich zum Wochenschluss auf 0.9411 und EUR/CHF 0.9677. Kryptowährungen entwickelten sich leicht schwächer. Ein Bitcoin kostete USD 23‘800. Der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock lanciert einen institutionellen Bitcoin-Trust.

Unternehmensnachrichten

Novartis bestätigt zwei Todesfälle von zwei Kindern durch Leberversagen, das auf Zolgensma (gegen Muskelschwund) zurückführen sein könnte. Der Wochenverlust der Aktie beträgt knapp 3 Prozent.
Die Roche-Tochter Genentech hat die Zulassung der US-Behörde FDA für das Grippemittel Xofluza zur Behandlung von Kindern ab fünf Jahren erhalten.

Grossaktionär Harris Associates hat seine Beteiligung trotz Kursverlusten an der Schweizer Grossbank Credit Suisse auf 10 Prozent verdoppelt.
Die Aktien des Augenmitteherstellers Alcon waren nach Reduktion der Jahresziele stark unter Druck geraten (- 11%). Die Halbjahreszahlen erfüllten zwar die Erwartungen, aber der Ausblick wurde nach unten reduziert. In den Monaten April bis Juni betrug der Umsatzanstieg konkret 5.1 Prozent auf UDS 220 Mrd.

Die Aktien des Versicherungskonzerns „Zürich“ waren nach Halbjahreszahlen höher. Überrascht hat ein Aktien-Rückkaufprogramm im Betrag von CHF 1.8 Mrd. Die Versicherung hat im ersten Halbjahr 2022 einen Betriebsgewinn von fast USD 3.4 Mrd. erzielt, der höchste Wert seit 2008 trotz Inflation und Naturkatastrophen. Der Flughafen Zürich erfreut sich wieder steigender Passagierzahlen, erreichte aber das Niveau vor Corona Niveau noch nicht ganz. 2.5 Mio. Passagiere bedeutet plus 85%, aber immer noch ein Fünftel weniger als 2019.

Aussichten

Inflation und die Zinspolitik der Notenbanken dürften die Märkte in den kommenden Wochen und Monaten beeinflussen. Einige Ökonomen rechnen mit einer weiteren Entspannung bei den Zinsen. Aufgrund der internationalen Verschuldung könnten sich zahlreiche Schuldner über längere Zeit gar keine höhere Zinslast leisten. Fokussieren dürften sich die Anleger weiterhin auf unternehmensspezifische Nachrichten. Es muss unterschieden werden zwischen Gesellschaften, die sich gerade von der Corona Pandemie erholen und solchen, die bereits unter Rezessionstendenzen leiden. Für eine nachhaltige Erholung der Aktien müssen die geopolitischen Konflikte beendet, und für die Energieverknappung eine rasche Lösung gefunden werden.

Christopher Chandiramani, Wirtschafts- und Börsenanalyst Herisau24