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Kanton AR
15.08.2022
15.08.2022 13:39 Uhr

«Situation ist ausserordentlich kritisch»

Zeigten die Situation und Entwicklung des Ukraine-Krieges auf: Gesprächsleiter Ralph Dietsche (v.l.), Bundesrat Ueli Maurer, Regierungsrat Hansueli Reutegger, der Schwellbrunner Gemeindepräsident Ueli Frischknecht und Diakon Stefan Staub. Bild: zVg
Bundesrat Ueli Maurer zeigte bei einem Besuch in Bühler die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs für die Schweiz auf. Dabei zeichnete er ein düsteres Bild. Auch was die Inflation, Migrationsströme und die Energieversorgung im kommenden Winter betrifft.

Der russisch-ukrainische Krieg beschäftigt und verunsichert die Bevölkerung. Dies zeigt der unerwartet grosse Besucheraufmarsch zur Informationsveranstaltung zum Ukraine-Krieg im Gemeindesaal in Bühler, welcher von der örtlichen SVP zusammen mit der Kantonalpartei organisiert wurde.

Als prominentester Redner trat Bundesrat Ueli Maurer auf und gab seine Einschätzung zum Krieg, dessen Verlauf und Auswirkungen für die Schweiz preis. Aus seiner Sicht handelt es sich beim derzeitigen Krieg nicht in erster Linie um eine Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine, sondern um einen Stellvertreterkrieg zwischen Westen gegen Osten.

Seine Worte waren alles andere als beruhigend: «Die Situation ist ausserordentlich kritisch. Auch für die Schweiz.» Ueli Maurer schliesst nicht aus, dass der Krieg weiter eskalieren könnte: «Ich glaube es nicht, kann aber einen Atomkrieg in Europa nicht ausschliessen.» Zudem korrigierte er die hierzulande gängige Wahrnehmung, dass alle Länder Sympathien gegenüber der Ukraine haben und gegen Russland seien. «Weltweit gibt es diesbezüglich kein einheitliches Bild», sagte Ueli Maurer, der am Vortag noch in Indien weilte.

Lehren aus dem Krieg

Die Schweiz kann gemäss Bundesrat Ueli Maurer bereits heute drei Lehren aus dem aktuellen Krieg ziehen. Solche, die eigentlich bereits bekannt waren: «Wir brauchen eine starke Armee, die für die Sicherheit der Leute in unserem Land sorgen kann. Die Energieversorgung muss künftig möglichst unabhängig vom Ausland sein und wir müssen generell die Eigenversorgung wieder stärken.

Die Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland muss wieder kleiner werden.» Als Folgen der kriegerischen Auseinandersetzungen dürfte es zu weiteren Versorgungsengpässen kommen. Entsprechend droht eine Inflation, welche die Migrationsströme weiter fördern wird. «Die ganze Flüchtlings- und Asyldiskussion wird uns die nächsten Jahre meiner Einschätzung nach stark beschäftigen», sagt Ueli Maurer.

Vorbereitungen laufen

Nebst Ueli Maurer zeigte Regierungsrat Hansueli Reutegger die aktuellen Herausforderungen des Departements Inneres und Sicherheit auf. Er hält fest: «Trotz all den laufenden Vorbereitungsmassnahmen wird Jede und Jeder gefordert sein zu verzichten, wo er kann.» Nur so könne die Knappheit verringert werden.

Ueli Frischknecht, Gemeindepräsident von Schwellbrunn zeigte in der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung des ehemaligen TV-Journalisten Ralph Dietsche auf, wie die Situation in «seiner» Gemeinde ist. Aktuell leben in Schwellbrunn zwei Familien aus der Ukraine. Die beiden Männer fanden in der Gemeinde bereits eine Anstellung und die Kinder besuchen die örtliche Schule.

Rettungsaktion in einer frühen Phase

Den Ukrainekrieg von einer etwas anderen Perspektive beleuchtete Diakon Stefan Staub in seinem Referat. Mit emotionalen Ausführungen und Bildern zeigte er, wie er zusammen mit zahlreichen Helferinnen und Helfern in einer frühen Phase des Krieges 120 Schutzsuchende in der Ukraine mit zwei Bussen abholte und in der Region unterbrachte. Dies zu einem Zeitpunkt, als die Rahmenbedingungen für die Aufnahme und Unterbringung der ukrainischen Schutzsuchenden noch nicht geregelt war.

Einer der mit seiner Familie aus der Ukraine ins Appenzellerland kam, ist Pastor Andrey Manokow. Er dankte stellvertretend für alle anderen Schutzsuchenden aus der Ukraine den Familien, welche ihre Häuser und Herzen geöffnet haben: «Der Krieg wird irgendwann enden. Unsere Wertschätzung für die Schweizerinnen und Schweizer wird bleiben.»

Ralph Dietsche