Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Firmennews
28.08.2022
28.08.2022 08:42 Uhr

Zu Besuch bei Familie Künzle und ihrem Geflügel

Alois und Jasmin Künzle mit ihren Kindern im Geflügelstall. Bild: zVg.
Alois Künzle bewirtschaftet mit seiner Familie einen Landwirtschaftsbetrieb in Gossau. Auf seinem Hof am Rande der Stadt leben nebst Milchkühen auch 12‘000 Geflügel für die Fleischproduktion. Eine Annahme der Tierhaltungsinitiative hätte gravierende Folgen für den Familienbetrieb.

Der Geflügelstall von Meisterlandwirt Alois Künzle bietet Platz für circa 12‘000 Hühner. Jedes Jahr werden auf dem Bauernhof rund acht Geflügelmastherden aufgezogen. Bei unserem Besuch sind die Küken rund 10 Tage alt. Die kleinen Hühner fressen, trinken und scharren im frischen Einstreu. Die Tiere der Rasse Ross 308 eignen sich optimal für die Poulet Produktion, da sie kräftig heranwachsen. In der Halle herrscht ein angenehmes Klima an diesem sehr heissen Sommertag. Die Hühner kommen als Eintagesküken mit einem Gewicht von etwa 45 Gramm auf den Bauernhof, rund knapp 40 Tage später und dann fast 2 kg schwer werden sie für den Schlachthof verladen. Betriebsleiter Künzle hat einen Abnahmevertrag mit der Bell Food Group AG, dem Fleischunternehmen von Coop. Bell kümmert sich um die Lieferung der Küken und den Transport der ausgewachsenen Hühner zum Schlachthof ins luzernische Zell.

Nebst Milchkühen leben auch 12'000 Geflügel auf dem Hof der Familie Künzle. Bild: zVg.

Dreimal täglich zieht Alois Künzle spezielle Stallkleider für den Geflügelstall an. Dank der Schutzkleidung wird verhindert, dass Keime in den Geflügelstall gelangen. Eine gründliche Reinigung und die Desinfektion der Hände gehören vor jedem Stallbesuch zu seinem obligatorischen Ritual. Bei seinen Kontrollgängen überprüft der Meisterlandwirt sämtliche Wasser – und Futtertröge und den Gesundheitszustand der Tiere. Es kommt manchmal vor, dass er abgegangene Tiere entfernen muss.
Diesmal sind es drei Tiere, die er zur Kadaverstelle bringen muss. Über Todesfälle und Gesundheitszustand wird akribisch Buch geführt – falls eine Häufung von Fällen festgestellt wird, wird umgehend der Bestandes Tierarzt beigezogen. In der Schweiz werden den Hühnern keine Medikamente prophylaktisch verabreicht. Medikamentationen werden nur nach Absprache mit dem Tierarzt angewandt, oftmals helfen den Hühnern auch pflanzliche Präparate.

«Keine vorschnelle Medikamentation beim Schweizer Geflügel.»
Alois Künzle

Stall für eine ganze Hühnerschar

Der 900 m2 grosse Stall bietet den wenigen Tage alten und 45 g leichten Küken reichlich Platz. Auch wenn die Hühner grösser werden, wird die maximale Besatzdichte von 30 kg pro Quadratmeter (EU: 42 kg/m2) zu keinem Zeitpunkt überschritten. Mit dem Tierwohlprogramm BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) biete der Landwirt seinem Federvieh zusätzlichen Komfort: Die Tiere erhalten Sitzgelegenheiten, Einstreu auf dem Boden, frische Luftzufuhr, und Tageslicht. Darüber hinaus haben die Tiere ab dem 21. Lebenstag Zugang zum Aussenklimabereich. Der Aussenklimabereich ist eine Art Wintergarten, eingestreut, überdacht und durch ein Windschutznetz gegen Wind und Vögel (Vogelgrippe und andere Krankheiten) geschützt. Fällt die Temperatur unter einen bestimmten Wert, werden die Auslaufklappen geschlossen. Bei Hitze bleiben die Tiere tagsüber sowieso viel lieber im Stall.» Abhilfe gegen die Hitze im Stall schaffen automatische Lüftungsklappen sowie CO2 gesteuerte Ventilatoren die den Stall mit frischer Luft versorgen.

In Relation gesehen

Alois Künzle ist es wichtig, dass die Konsumentinnen und Konsumenten ein Gefühl für die Relationen der Schweizer Landwirtschaft erhalten. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum von Hühnerfleisch liegt in der Schweiz bei jährlich 14 kg. In der Stadt Gossau mit seinen 17’900 Einwohnern werden demzufolge jedes Jahr 250 Tonnen Geflügelfleisch verspiesen. Die Familie Künzle kann also mit ihrem Betrieb nicht einmal den Bedarf der Gossauerinnen und Gossauer decken. Praktisch alle schweizer Geflügelställe sind als Familienbetriebe organisiert. Auch bei den Künzles packt die ganze Familie mit an. Die Kinder von Alois und seiner Frau Jasmin begleiten ihn oft in den Poulet Stall und übernehmen kleinere Handreichungen. Zudem bilden Künzle’s landwirtschaftliche Lehrlinge aus – dieses Jahr lernt Domenik, der auf dem Hof seine Zweitausbildung absolviert, nebst den Arbeiten im Kuhstall auch die Tätigkeiten im Geflügelstall kennen.

Auf dem Hof der Familie Künzle leben auch Milchkühe. Bild: zVg.
«Unser Landwirtschaftsbetrieb in der Rüti ist ein typischer Schweizer Familienbetrieb – alle sind dabei von Künzle Senior, über Onkel bis zur Jüngsten.»
Alois Künzle

Auswirkung der Initiative

Auf die Frage was es für die Familie Künzle bedeuten würde, wenn die Massentierhaltungsinitiative am 25. September 2022 angenommen wird, findet der vierunddreissig jährige Landwirt deutliche Worte: «Wir müssten künftig nach dem Biostandard produzieren. Was bedeutet, dass wir nur noch einen Bruchteil der aktuellen Fleischmengen hier auf dem Hof produzieren könnten. Die Zahl der in der Schweiz produzierten Poulets würde drastisch sinken und regional produziertes Poulet würde sehr viel teurer. Bei einer Annahme der Initiative würden die Fleischimporte drastisch steigen. Bereits heute hat die Schweiz das weltweit strengste Tierschutzgesetz und das ist auch gut so. Eine Initiative die aber dazu führt, dass mehr Fleisch aus Ländern mit tieferen Tierwohlstandards eingeführt wird, nützt meiner Meinung nach weder den Tieren noch den Konsumentinnen und Konsumenten, sondern bringt vielmehr Schaden als Nutzen.
Alois Künzle stört es, dass die Initianten behaupten bei der konventionellen Geflügelmast werden systematisch das Tierrecht verletzt. «Unser Familienbetrieb ist 7/24 mal 365 Tage im Jahr für unsere Tiere da und um ihr Wohlergehend besorgt». Und nur in einem «gesunden» Umfeld können qualitativ hochwertige Lebensmittel produziert werden ist er überzeugt. Und er fügt hinzu, schliesslich produziere ich auch was der Markt fordert – und jedes meiner Hühner findet Käuferschaft im Laden. Er und seine Familie hofft nun, dass im Ende September die Tierhaltungsinitiative an der Urne abgelehnt wird und der Familienbetrieb eine Existenz im Bereich Lebensmittelproduktion bleibt.

pd. / gossau24.ch