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Wirtschaft
17.09.2022
24.09.2022 07:42 Uhr

EUR mit 0.958 auf Rekordtief zum CHF

Der dreifache Optionenverfall an der Börse jeweils am dritten Freitag des Monats war laut Christopher Chandiramani ein weiterer Volatilitätsfaktor. Bild: Linth24
Abbruch der Börsenerholung, Sorgen um Konjunktur, Inflation und Zins überwiegen. Weitere Leitzins-Erhöhungen erwartet. Energie teuer, Politik diskutiert Massnahmen. EUR mit 0.958 auf Rekordtief zum CHF.

Der SMI (deutlich unter 11'000 Punkten) hat die Gewinne der Vorwoche wieder verloren. Die Marktstimmung bleibt fragil. Hartnäckige Kerninflation – im August 2022 stiegen die Verbraucherpreise in den USA um 8.3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Investoren hatten einen schnelleren Rückgang erwartet, so dass mit einer noch strafferen US-Geldpolitik gerechnet wird.

Aber Russland hat geringere Inflationssorgen: Die Zentralbank senkte ihren Leitzins um 0.5 auf 7.5 Prozent, die fünfte Senkung in diesem Jahr.

Die Feindseligkeiten in der Ukraine setzen sich fort. Die Ukrainer melden Rückeroberungen von Gebieten.

Grossbritannien hat zehn Tage Staatstrauer, die verstorbene Königin Elisabeth II. wird am Montag beigesetzt.

In Frankreich wird der Flugbetrieb durch die Lotsen bestreikt. Air France annullierte am Freitag rund die Hälfte der Kurz- und Mittelstreckenflüge. Auch in der Schweiz drohen Piloten mit Streiks.

Der russische Staatskonzern Rosneft betreibt in Deutschland die Raffinerie Schwedt und hält Minderheitsbeteiligungen an zwei weiteren Ölraffinerien. Die deutsche Regierung übernimmt nun die Führung, um von russischem Öl und Benzin unabhängiger zu werden.

In der Schweiz wird weiter über die Stromknappheit diskutiert. Der Kanton Aargau führt ab Montag umfangreiche Sparmassnahmen ein. Der Ständerat beschliesst obligatorische Solarzellen bei Neubauten.

Der dreifache Optionenverfall an der Börse findet jeweils am dritten Freitag des letzten Monats eines Quartals statt und sorgt für mehr Volatilität.

Rohöl war die ganze Woche volatil aufgrund der Konjunktursorgen.

Unternehmensnachrichten

News aus der Welt der Unternehmungen gibt es zurzeit eher wenig. Fast alle Halbjahresergebnisse sind bereits publiziert, die Neunmonatszahlen folgen erst in etwa einem Monat.

Die Wettbewerbskommission WEKO hat eine Untersuchung gegen Novartis eröffnet und Hausdurchsuchungen durchgeführt. Es geht um den Verdacht, der Konzern habe mit Patenten und anderen unlauteren Mitteln die Konkurrenz ausgebremst. Die Analysten der Credit Suisse und Bank Berenberg haben die Aktie heruntergestuft und dafür Roche zum Übergewichten in den Portfolios empfohlen. Auch Schindler und Nestlé wurden durch Bankempfehlungen heruntergestuft.

Der Zementkonzern Holcim schliesst Verkauf des Indien-Geschäfts an die indische Adani Group für 6,4 Milliarden ab.

Die Aktionäre des Computerherstellers Logitech haben am Mittwoch an der Generalversammlung die Dividendenerhöhung abgesegnet. Damit wird diese um rund 10 Prozent auf CHF 0.96 pro Aktie erhöht.

Der Spital- und Luxushotelkonzern Aevis Victoria hat im ersten Halbjahr 2022 deutlich mehr verdient. Der operative Gewinn stieg um annähernd 50 Prozent auf CHF 125.7 Mio.

Der deutsche Autohersteller Porsche, zurzeit voll im Besitz des VW-Konzerns, plant die Rückkehr an die Börse als Publikumsgesellschaft. Mit einem Erlös von rund EUR 10 Mrd. soll die Elektromobilität weiterentwickelt werden, aber Benziner sollen weiterhin verkauft und Ersatzteile dafür geliefert werden.

Aussichten

Wir müssen weiterhin mit Energie-Verknappungen leben. Teilweise Blackouts im kommenden Winter sind nicht ausgeschlossen. Die Strompreisexplosion dürfte vor allem die kleinen und mittleren Unternehmungen hart treffen.

Die Inflation ist noch nicht besiegt. Die Schweizerische Nationalbank könnte demnächst den Leitzins nochmals anheben. Damit wäre das Ende der Negativzinsen eingeläutet.

Die einzige und beste Lösung wären schweigende Waffen zwischen Russland und der Ukraine, sowie ein Ende der Sanktionen des Westens. So weit sind wir aber noch nicht. Folglich ist noch keine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte zu erwarten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24