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Wirtschaft
08.10.2022

Aktienmärkte: nur kurzes Zwischenhoch

Christopher Chandiramani zu den Aussichten: «Solange die Energieversorgung angespannt ist, und der Krieg anhält, bleibt das Umfeld für Aktien schwierig.» Bild: Linth24
Nach über tausend Punkten Verlust im August und September kam eine technische Gegenbewegung. Nach dem Sprung von etwa drei Prozent am Dienstag bröckelten die Kurse. SMI vor Wochenende bei 10'300 Punkten.

Die Energiekrise hält an. Im Winter werden immer noch Verknappungen bei der Stromversorgung befürchtet. Beim Gas gibt es vorübergehend eine leichte Entspannung, nachdem die Lager fast gefüllt sind. Ungeachtet der Rezessionsängste hat sich die OPEC auf eine Drosselung der Rohölförderung geeinigt. In dieser Form reagiert das Ölkartell auf leicht tiefere Preise.

Die Konsumentenpreise in der Schweiz stiegen im September gemäss Bundesamt für Statistik im Vergleich zum Vorjahr um 3.3 Prozent (Vormonat 3.5 Prozent). Der Wert ist tiefer aufgrund der Benzinpreise. Der Arbeitsmarkt bleibt robust – Nachholbedarf nach Corona – der Fachkräftemangel existiert immer noch. Die Arbeitslosenquote sank von 2.0 Prozent im August 2022 auf 1.9 Prozent im September. Die Ökonomen rechnen noch mit einem bescheidenen Wirtschaftswachstum, unter der Voraussetzung, dass es im Winter keinen Blackout gibt.

Die Annexion der ostukrainischen Gebiete Ende September ist durch die Russische Föderation erfolgt. Das grösste AKW Europas in Saporischschja ist auch dabei. Die Zwangsannexion wurde international nicht anerkannt.

Bezüglich der Währungen hat sich der Schweizerfranken leicht abgeschwächt. Der USD nähert sich wiederum der Parität 1:1, der Euro liegt noch knapp darunter.

Unternehmensergebnisse

Charttechnisch begründete Eindeckungen von Leerverkäufen haben die Märkte kurzfristig belebt, aber die negative Grundstimmung bleibt bestehen. In den USA wurden wiederum mehr Jobs geschaffen als erwartet. Die US-Notenbank hat somit Spielraum für weitere Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation. Andere Zentralbanken, in Europa und der Schweiz, dürften folgen. Das wäre sehr negativ für Aktien.

Die Credit Suisse stand im Rampenlicht. Am Montag gab es Turbulenzen infolge ungewisser Zukunft der Grossbank. Die Aktien fielen bis auf CHF 3.5 und erholten sich wieder auf CHF 4.4. Die CS befindet sich im Umbruch und sucht Kapital. Geschäftsteile sollen verkauft werden, die Anleihen zurückbezahlt. Nicht betriebsnotwendige Aktiven wie das Hotel Savoy in Zürich werden veräussert. Die Details gibt die CS Ende Oktober bekannt.

Der Zementkonzern Holcim akquiriert in Grossbritannien. Er übernimmt mit dem Unternehmen Wiltshire Heavy Building Materials einen Spezialisten für die Wiederverwertung von Baumaterialien, verstärkt dadurch den Bereich «Kreislaufwirtschaft».

Der Flughafen Zürich-Kloten erholt sich weiter. Gemäss neusten Zahlen vom August 2022 haben knapp 2.5 Mio. Passagiere diesen Flughafen benützt. Dies entspricht einem Plus von 55 Prozent Vorjahr. Gegenüber 2019 liegen die Frequenzen bei plus 79 Prozent.

Stadler Rail bestellt Einzelteile für den Eisenbahnbau bei ABB. Der neuste Auftrag hat einen Umfang von USD 170 Mio. und wird zum grössten Teil noch in diesem Jahr verbucht.

Aussichten

Einige Branchen haben sich nach Corona trotz starkem Franken spürbar erholt, namentlich Tourismus, Hotellerie und Gastgewerbe. Die bevorstehenden Publikationen der Neunmonatszahlen bei den Unternehmungen könnten auch positiv überraschen. Ökonomen sind aber pessimistisch und erwarten für 2023 eine Rezession. Die Teuerung und vor allem die hohen Energiepreise könnten die Unternehmensgewinne stark belasten. Solange die Energieversorgung angespannt ist, und der Krieg anhält, bleibt das Umfeld für Aktien schwierig.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24