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Wirtschaft
15.10.2022
16.10.2022 13:01 Uhr

Börse hält charttechnisch wichtige Untergrenze

Nach einer Woche mit Schwankungen stellt Christopher Chandiramani fest: «Für die Aktienmärkte kann vorläufig noch keine Entwarnung gegeben werden.» Bild: Linth24
Börsenumfeld weiter pessimistisch: Teuerungs- und Zinsängste, Energie-Knappheit, v.a. auch der Ukrainekrieg, drücken auf Stimmung. Woche endete versöhnlich: Beim SMI wurde die 10'000-Punkte-Untergrenze gehalten.

Ukraine-Krieg: Zu Wochenbeginn hat Russland wiederum Angriffe getätigt. Es waren die schwersten seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Die ukrainische Hauptstadt Kiew sowie andere Städte wurden wieder mit Raketen angegriffen. Die UN-Vollversammlung hat die Annexionen Russlands in der Ukraine mit überwältigender Mehrheit verurteilt. 143 der 193 Mitgliedsstaaten stimmten für eine entsprechende Resolution – fünf Länder votierten dagegen, 35 enthielten sich. Dieser Entscheid hat keinen bindenden Charakter, aber eine bedeutende psychologische Wirkung.

Die Inflation in den USA ebbt nur leicht ab. Die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen war im September auf 8.2 Prozent (8.3 im August). Zwar ist der Inflationsanstieg gebrochen, aber der Preisanstieg immer noch zu hoch, das könnte bei der Notenbank FED zu mindestens zwei weiteren Leitzinserhöhungen führen.

Das Erdölkartell OPEC beschloss mitten in der Energiekrise eine Reduktion der Fördermengen und ärgert damit die westliche Welt. Diese neue Art von Konflikt hat sich allerdings lange abgezeichnet, ein Freundschaftsbruch zwischen Saudi-Arabien und den USA.

In Grossbritannien entlässt die Ministerpräsidentin Liz Truss den Finanzchef Kwasi Kwarteng nach knapp sechs Wochen im Amt. Kaum neu im Amt ist die britische Regierung von Liz Truss bereits in einer tiefen Krise geraten. Es geht um Differenzen beim Wirtschaftsprogramm und den steuern. Die Krise äusserte sich auch durch einem starken Wechselkursverlust des britischen Pfundes gegenüber Kontinentaleuropa und den USA.

Starker Anstieg: Der US-Dollar ist wieder mehr wert als einen Franken. Der Euro ist im Vergleich zur Vorwoche nur leicht fester, Bitcoins verharrten nahe am Jahrestiefst deutlich unter 20'000 USD.

Unternehmensnachrichten

Der Wochenverlauf war zunächst geprägt von drei relativ ruhigen Tagen mit wenig Veränderung, von Montag bis Mittwoch. Daraufhin kam wieder Bewegung in den Aktienmarkt. Nach einem Absturz am Donnerstagnachmittag durch Bekanntgabe der US-Teuerung, gab es eine deutliche Erholung am Freitag.

Novartis verlor einen Prozess vor dem obersten US-Gericht. Die Richterinnen und Richter lehnten es ab, das Mittel Gilenya (gegen Multiple Sklerose) vor Kopien zu schützen.

Der Industriezulieferer Bossard ist im dritten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr erneut markant gewachsen. Die Wachstumsraten dieses zyklischen Werts sind wiederum zweistellig. Der Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum dritten Quartal 2021 um 16.9 Prozent auf CHF 291.6 Mio.

Der Industriekonzern VAT Group publizierte zwar gute Neunmonatsergebnisse, Auftragseingang CHF 961 Mio. um 21.1 Prozent höher als im Vorjahr – und Umsatz mit CHF 855 Mio. um 32.3% höher. Aber der Aktienkurs korrigierte aufgrund von Befürchtungen einer deutlich abnehmenden Wachstumsdynamik.

Der Spezialist für derivative Produkte Leonteq soll gemäss «Financial Times» in Geldwäscherei verwickelt sein. Leonteq weist die Vorwürfe entschieden und als haltlos zurück. Aber der Aktienkurs fiel um rund 6.5 Prozent.

Aussichten

Negative Faktoren wie Inflation, teure Energie, der Krieg in der Ukraine und die Spätfolgen der Corona-Pandemie, vor allem in China, lasten auf der Weltwirtschaft. Der internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine globale Wachstumsvorhersage für das kommende Jahr auf nunmehr 2.7 Prozent. Deutschland und auch die ganze EU rechnen im kommenden Jahr sogar mit einer Rezession. Hartnäckigere Teuerung, im EU-Raum von rund 10 und in den USA über 8 Prozent, lässt eine weitere Anhebung der Leitzinsen befürchten.

Alles zusammen bedeutet auch eine Reduktion des wirtschaftlichen Wachstums, der Investitionen, der Unternehmensgewinne usw. Somit kann für die Aktienmärkte vorläufig noch keine Entwarnung gegeben werden.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24