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Wirtschaft
22.10.2022
24.10.2022 10:38 Uhr

Aktienbörse: Der Druck setzt sich fort

«Die Börsen bereiten dieses Jahr deutliche Verluste», so Christopher Chandiramanis Feststellung zum bisherigen Börsengeschehen 2022. Bild: Linth24
Investoren waren zu Wochenbeginn besser gelaunt als anfangs Oktober; das Umfeld bleibt instabil. Ukraine-Krieg hält an. Energie bleibt teuer, die Inflation hoch, der Franken stark. Am Freitag gaben die Aktien weiter nach.

Die Inflationsrate im Euroraum lag im September bei 9.9 Prozent (9.1 Prozent im August). Ein Jahr zuvor hatte sie 3.4 Prozent betragen. Weitere Leitzinserhöhungen seitens der EZB drohen unmittelbar.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Devisenkäufe zur Schwächung des Schweizer Frankens eingestellt. Im zweiten Quartal hat die SNB gar CHF 5 Mio. an Devisen abgebaut.

Die britische Premierministerin Liz Truss tritt bereits nach sechs Wochen Amtszeit zurück. Das ist ein Kürze-Rekord. Sie war Opfer der Wirtschafts- und Regierungskrise. Die angekündigten Steuersenkungen wurden sistiert. Schon wenige Tage zuvor wurde Finanzminister Kwasi Kwarteng entlassen.

Bundesrat Ignazio Cassis hat überraschend das Kriegsgebiet besucht. Er traf sich mit hohen Vertretern der ukrainischen Regierung. Bei den Gesprächen ging es vor allem um Aufbauhilfe nach dem Krieg.

Deutschland lässt die letzten drei Atomkraftwerke noch bis Mitte April 2023 laufen. Dies hat Bundeskanzler  Olaf Scholz aufgrund der Energieknappheit verfügt. Eigentlich hatte die Regierung per Ende Jahr den Atomausstieg beschlossen. Dieser Entscheid hilft auch der Schweiz kurzzeitig im kommenden Winter.

Momentan gibt es aber keine Verknappung in der Schweiz. Mit dem Stromexport hat die Schweizer Energiewirtschaft in diesem Jahr 2022 mit bisher CHF 5.3 Mrd. etwa doppelt so viel wie 2021 eingenommen. Italien ist der wichtigste Abnehmer.

Der chinesische Terminalbetreiber Cosco Shipping Ports will Teile des Hamburger Hafens kaufen und betreiben. Das Geschäft ist politisch umstritten.

Unternehmensmeldungen

Der Nahrungsmittelhersteller Nestlé ist in den ersten neun Monaten 2022 dank Preiserhöhungen kräftig gewachsen. Tierfutter, Kaffeekapseln und Süssigkeiten waren bei den Kunden trotz Inflation stark gefragt. Nestlé setzte im dritten Quartal CHF 69.1 Mrd. um. Das Plus betrug 8.5 Prozent.

Der Elektrokonzern ABB weist von Januar bis September ein starkes Auftragswachstum aus (USD 8.2 Mrd.), erhöhten Umsatz (+5% auf USD 7,4 Mrd.) und eine historisch hohe operative EBITA-Marge aus (16.6%).

Wegen des Hurrikans «Ian» meldet der Rückversicherer Swiss Re einen Quartalsverlust. Diese Meldung überrascht kaum; dass der Wirbelsturm das Quartalsresultat mit etwa USD 1.3 Mrd. belasten dürfte.

VR-Präsidentin Suzanne Thoma übernimmt operative Leitung des Industriekonzerns Sulzer, sie wurde zur neuen CEO ernannt. Der Wechsel erfolgt überraschend. Der bisherige Chef Frédéric Lalanne tritt per Ende Oktober zurück. Er hatte erst im letzten Februar seinen Job angetreten.

Der Zementkonzern Holcim zahlt nach einem Vergleich mit der US-Justiz fast 778 Millionen Dollar Strafe. Der Grund sind frühere Geschäfte der Tochter Lafarge Cement in Syrien.

In der kommenden Woche will das Management der Credit Suisse seine neue strategische Ausrichtung präsentieren. Als Hauptziel dürfte die Reorganisation des Investmentbankings sein.

Die Zuger Kantonalbank lanciert mit «fix» ein neues Online-Angebot mit einem kostenlosen Konto.

Kahlschlag: In den USA will Elon Musk, Besitzer des Autoherstellers Tesla, nach der Übernahme von Twitter drei Viertel (über 5000 Mitarbeitende des Medienkonzerns) der Belegschaft entlassen.

Aussichten

Die Börsen bereiten dieses Jahr deutliche Verluste. Der Schweizer Aktienmarkt steht gemessen am Swiss Performance Index rund 20 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn (knapp unter 10'400 Punkte). Schweizer Pensionskassen beklagen einen Verlust von fast 15 Prozent.

Die teilweise massiv tieferen Aktienpreise haben auch einen positiven Aspekt: eine höhere Dividendenrendite. Bei Multis wie Pharma und Food erwarten wir wachsende Geschäfte, ebenso die Banken dürften von den höheren Kreditzinsen profitieren. Aber einige Industriewerte könnten aufgrund der hohen Energiepreise tieferer Gewinne ausweisen und die Ausschüttung kürzen.

Aufgrund des zurzeit negativen Umfeldes bleibt der Druck auf die Aktien erhalten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24