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Wirtschaft
05.11.2022
06.11.2022 08:33 Uhr

Börse: Leitzinserhöhungen und Arbeitsmarktdaten

«Die Notenbankpolitik ist momentan sehr forsch», so Christopher Chandiramani. Mit stark steigenden Leitzinsen erhöhe sich das Rezessionsrisiko. Bild: Linth24
Notenbanken werden zurzeit intensiv beobachtet: Letzte Woche erhöhten die Europäer die Leitzinsen, diese Woche erneut die Amerikaner. Dies gab den Börsen einen neuen Dämpfer, ebenso später die Arbeitsmarktdaten.

Zum vierten Mal in Folge in diesem Jahr hat die amerikanische Notenbank FED ihre Leitzinsen erhöht, um 0.75 auf vier Prozent. Die hohe Teuerung bereitet Sorgen, speziell jetzt, kurz vor den Zwischenwahlen in den USA.

Die Schweizerische Nationalbank SNB publizierte für die ersten neun Monate des Jahres Buchverluste von über 140 Mrd. Fr. Das heisst auch: viel weniger oder keine Ausschüttungen mehr an Bund und Kantone. Notenbanken haben stets grosse Gewinn- und Verlustschwankungen. Sobald sich die Aktien und Währungen beruhigen, könnten auch wieder Milliarden verdient werden können.

Die Inflation in der Schweiz ist im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat weiter gesunken – auf 3.0 Prozent. Das ist bereits der zweite Rückgang nacheinander. Im internationalen Vergleich ist die Inflation hierzulande jedoch sehr tief. Dies hängt mit dem starken Schweizerfranken zusammen und dem offiziellen Warenkorb. Krankenkassenprämien fehlen darin, ebenso Immobilien und Steuern. Mieten sind sehr tief gewichtet.

Die Energiepreise sind in der Schweiz leicht gefallen, der Bundesrat sieht deshalb keinen Anlass für Entlastungen oder tiefere Steuern und Abgaben. Gleichzeitig gibt er Entwarnung bezüglich Blackout.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat per Ende Jahr ihren Rücktritt bekannt gegeben, aus privaten Gründen, wegen eines Pflegefalls in der Familie. Somit gibt es zwei Vakanzen in der Regierung, im Finanzdepartement durch Ueli Maurer und neu auch im Energie- und Umweltdepartement. Die Wahlen finden während der Wintersession durch die vereinigte Bundesversammlung am 7. Dezember statt.

Bei den Währungen hat sich der CHF leicht abgeschwächt, vor allem gegenüber dem USD.

Unternehmensmeldungen

Die Credit Suisse scheint gerettet zu sein. Das Kapital aus Saudi-Arabien ist zugesichert. Die Bank legte den Referenzpreis für die Kapitalerhöhung auf CHF 4.07 pro Aktie fest. Dies kam bei den Investoren positiv an. Die Aktien haben sich vom Tiefstkurs von rund CHF 3 wieder erholt.

Mit einem Kurseinbruch von 7.5 Prozent waren die Aktien des Sanitärtechnikkonzerns Geberit Schlusslicht unter den Standardwerten. Das Unternehmen nahm seine Jahresprognose zurück.

Barry Callebaut, der grösste Schokoladeproduzent der Welt, welcher das Geschäftsjahr per 31. August abschliesst, ist gut unterwegs. Die Verkäufe stiegen auf CHF 8.1 Mrd. +12.3 Prozent, mit einem Betriebsgewinn (EBIT) von CHF 624.7, +13.5 Prozent, einem Reingewinn von CHF 360.9 Mio. was jedoch ein leichter Rückgang ist. Die Reinigung einer Produktionsanlage wegen Bakterien in Belgien kostete offenbar CHF 70 Mio.

Die Rhätische Bahn (RhB) hat den längsten Zug der Welt auf der 25 Kilometer langen Strecke erfolgreich präsentiert. Der Rekordzug war fast zwei Kilometer lang und wurde von sieben Lokführern gefahren. Der Werbeeffekt für den Schweizer Tourismus ist sehr gross. Medienvertreter auf der ganzen Welt berichteten darüber. Die Aktien der RhB sind ausserbörslich gehandelt und haben einen ausgeprägten Liebhabercharakter.

Aussichten

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) rechnet mit einer deutlichen Abnahme der wirtschaftlichen Dynamik. Der Schwung nach Aufhebung der Corona-Massnahmen geht allmählich verloren. Schuld sind die Teuerung, vor allem bei der Energie, höhere Zinsen und vor allem auch weniger Exporte bzw. der starke Schweizerfranken. Die Nachfrage nimmt generell ab. Befragt wurden rund 4'500 Firmen. Das heisst auch künftig auch tiefere Unternehmensgewinne, vermutlich auch weniger Dividenden.

Die Notenbankpolitik ist momentan sehr forsch. Die hohe Inflation muss zwar bekämpft werden, aber mit stark steigenden Leitzinsen erhöht sich auch das Rezessionsrisiko. Zudem wird auch eine weitere Teuerungsspirale generiert, insbesondere bei den Hypothekarzinsen und Mieten.

Die Aktienbörsen steigen erst nachhaltig, wenn Teuerung und Zinsen sinken sowie die geopolitischen Konflikte abnehmen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24