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Herisau
14.11.2022

Saumchörli nach drei Jahren wieder auf der grossen Bühne

Bild: Saumchörli Herisau
Das Saumchörli überzeugte nach einer pandemiebedingten dreijährigen Pause an seinem traditionellen Unterhaltungsabend mit sängerischem und schauspielerischem Können.

Ja, auch das Saumchörli Herisau musste während der Pandemie schmal durch, also ohne ihre traditionelle Unterhaltung im November – und auch ohne ihr 75-Jahr-Jubiläum 2020 gebührend feiern zu können. Mit dem Freiluftkonzert «Mit Gsang i d Nacht», diversen kleineren Auftritten sowie mit einem eigenen Theater am diesjährigen Fest zum 1200-jährigen Bestehen des Herisauer Schwänbergs, hat der Chor das Beste aus der Situation gemacht. Aber eben – ob als Gast oder als Gastgeber – das ist ein gewaltiger Unterschied.

So kam denn der erste Unterhaltungsabend nach drei Jahren fast schon einer Premiere gleich. Eine echte war es für den Regisseur Hans Waldburger, der zum ersten Mal die Fäden für das Theaterstück im zweiten Programmteil in der Hand hielt und als Nachfolger von Werner Wanner in grosse Fusstapfen zu treten hatte. Doch davon später. Für den Dirigenten Ueli Koller war es quasi eine zweite Premiere. Er dirigierte das Saumchörli bereits von 2009 bis 2018 und sprang nun in die Bresche, als die vakante Stelle nicht besetzt werden konnte. «Ich brachte es nicht übers Herz, das Saumchörli im Stich zulassen.»

Unter seiner umsichtigen und versierten Leitung entstand ein typisches auf das Saumchörli zugeschnittenes Programm: Vom traditionellen Schellen-Zäuerli über die Ode an ein «schönes Daheim» bis hin zum zur Jahreszeit passenden Titel «Schneeluft» von André von Moos. Eine Premiere war es schliesslich auch für die Mundharmonika-Gruppe des Saumchörlis, welche zum ersten Mal vor so vielen Zuhörenden auftrat. Aus der fast schon feierlichen Ruhe während den Darbietungen und dem anschliessenden Applaus darf geschlossen werden, dass die musikalische Vorstellung vom Saumchörli wie auf der geladenen Gastgruppe, dem bernischen Jodelchörli «Bärg u Tal», den Erwartungen des Publikums entsprechen konnten.

Bild: Saumchörli Herisau

Der andächtigen Atmosphäre im ersten Teil folgt die aufgeräumte Stimmung im zweiten Teil. Auch hier verliess das Saumchörli seinen Weg nicht. Mit «Bäre of de Alp» brachte die choreigene Theatergruppe ein Stück auf die Bühne, das sich einem aktuellen Thema, nämlich der zeitgemässen Vermarktung von Natur und Tradition, widmete. Ein Stück im Spannungsfeld zwischen den Fragen, will man eine Alp wie ein Event-Park à la Disney Land mit Snow-Golfing und Para-Climbing oder lieber Natur pur, der Schlagzeilen wegen auch mit furchteinflössenden Bären, die übers Land ziehen, und einem Älper, der in alter Tradition in seiner Hütte käst? Und klar, man wär nicht im Appenzellerland, wenn zweiteres nicht siegen würde. Und man wäre nicht an einer Unterhaltung vom Saumchörli, wenn das Theater nicht gespickt wäre mit Witz, effektvollen Überraschungen aus der Luft und musikalischen Einlagen. Regisseur Waldburger hat seine Feuertaufe bestens bestanden: Die Schauspielerinnen und Schauspieler boten dem Publikum ein kurzweiliges Theater vor einer aufwändig und detailreich gestalteten Kulisse. Fazit des Abends: Das Saumchörli hat’s nicht verlernt – weder den gepflegten Gesang noch das unterhaltsame Theaterspiel.

Wer’s verpasst hat, dem bietet sich nächstes Wochenende gleich zweimal die Möglichkeit das Saumchörli im Casino Herisau zu hören und zu sehen: Samstag, 19. November um 20:00 Uhr sowie Sonntag, 20. November um 13:30 Uhr. Platzreservationen unter www.saumchoerli.ch

Saumchörli Herisau / herisau24.ch