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Kultur
16.11.2022

Ein Abend zu Mani Matters 50. Todestag

Bild: zVg / herisau24.ch
Am Mittwoch, 23. November 2022, um 19:30 Uhr, führt Pfr. Dr. Bernhard Rothen im Casino Herisau in die Freude und den Reichtum von Matters Werk ein. Mit dem blitzgescheiten Mani Matter über die Schweiz nachdenken ist lustig und lehrreich.

In der Hitparade der Schweizerlieder steht Mani Matters «Zündhölzli» hoch oben. Aber er besingt auch viele andere unvergessliche Situationen: Das Dorftheater in Nottiswil, bei dem der Wilhelm Tell zur Schlägerei eskaliert, die Leute, die im Zug sitzen und sich streiten, ob der Blick nach vorn oder der zurück der rechte sei, das Babettli und der Hansjakobli, die von oben und von unten mit dem Chuchitaburettli lärmen, der Sonntagsmaler, dem die Kuh aus seinem Bild läuft, und viele andere. Diese einfachen Lieder wären nicht möglich geworden, hätte nicht Matter in seinen Tagebüchern mit den ganz grossen Fragen des Lebens gerungen. Die Chansons sind anschauliche Bilder für das, was zu allen Zeiten an allen Orten die Menschen umtreibt. Und Matter fragt sich: Was ist nötig, damit es gut kommt mit uns Menschen? Damit nicht am Ende die Dummheit siegt? Oder noch schlimmer: Damit nicht nur Gier und Gleichgültigkeit übrigbleiben?

Matter hatte die Antwort nicht gefunden, als sein früher Tod ihn aus dem Schaffen riss. Doch er war bis zuletzt überzeugt, dass es sich lohnt, diesen grossen Fragen nachzugehen. Er hat mit so viel Lust gesungen von den vielen Schwierigkeiten, die sich uns dabei in den Weg stellen, und hat sich von seiner Sprachkunst, vom Reim und Rhythmus tragen lassen zu immer neuen Entdeckungen, weil er daran geglaubt hat, dass das Leben trotz allem liebenswert ist.

Mani Matter konnte vieles ganz anschaulich und fröhlich auf den Punkt bringen. Fünfzig Jahre nach seinem Tod kann er uns helfen, unser Land besser zu verstehen: Warum wir festgefahren sind in dem Gegensatz zwischen Rechts und Links. Weshalb die technischen Fortschritte uns nicht nur glücklich machen. Was uns fehlt, wenn die Kirchen schwach sind. Und warum wir uns selber oft ein Rätsel sind und es eine Wohltat ist, wenn wir über uns lachen können.

Bernhard Rothen war 1984–1992 Pfarrer in Zweisimmen, 1992–2010 Pfarrer am Basler Münster, 2010–2021 Pfarrer in Hundwil. Er hat Niklaus von Flüe, Martin Luther und Jakob Künzler ausführliche Studien gewidmet – und die Kirche und die Kulturschaffenden mit pointierter Kritik herausgefordert. Im ZytgloggeVerlag erschien 2013 sein Buch: «i de gottvergässne stedt». Mani Matter und die Verteidigung des Christentums.

pd / herisau24.ch