Home Region In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Wirtschaft
15.10.2020
17.10.2020 10:51 Uhr

Anstieg der Infektionszahlen schreckt Aktienbörse auf

Laut Christopher Chandiramani wirkten sich in dieser Woche der Anstieg der Corona-Infektionen sowie der Verfall der Optionen auf die Börsen aus.
Nach einem besseren Wochenstart wurden die Märkte verunsichert durch exponentiell steigende Corona-Fallzahlen sowie Ängste vor schärferen Massnahmen oder gar lokalen Lockdowns durch die Behörden.

Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) wurde nach oben korrigiert und soll dieses Jahr um 3.8 Prozent statt um 6.7 Prozent sinken. Das Staatssekretariat (Seco) ist optimistischer geworden im Falle, dass die Pandemie nicht nochmals die Wirtschaft massiv bremst.

Auch ein wiedergenesener US-Präsident Trump, der seine Wahlpropaganda wieder fortsetzen konnte, sorgte zunächst und zu Beginn der Woche für Zuversicht an den Aktienmärkten.

Die stark steigenden Corona-Fallzahlen mit einer Verdoppelung innert weniger Tage schockierten und sorgen weltweit für massive Verunsicherung. Das Niveau des SMI mit 10'000 konnte am Donnerstag nur sehr knapp gehalten werden. Der Wochenausklang war aber wieder versöhnlicher, bis kurz vor Börsenschluss +1.3 Prozent.

An der Börse ist man sich gewohnt, dass jeweils in der dritten Woche des Monats, wenn die Optionen (Calls und Puts) verfallen, grössere Kursschwankungen auftreten.

Unternehmensnachrichten

Der Zuger Industriezulieferer Bossard war im dritten Quartal 2020 erneut schwächer. Jedoch hat sich der Abwärtstrend weiter verlangsamt. In absoluten Zahlen verkaufte das zyklische Unternehmen wieder mehr als im zweiten Quartal. Der Umsatz reduzierte sich im Vergleich zum dritten Quartal 2019 um 8.2 Prozent auf 201 Millionen CHF.

Die Corona-Pandemie setzte auch dem Pharmakonzern Roche zu. Ohne die Diagnostik-Sparte mit ihren Corona-Tests wäre der Umsatz nach neun Monaten deutlich tiefer ausgefallen. Hier ist der Konzern noch im Produktionsrückstand. Insgesamt war der Umsatz der Gruppe für die ersten neun Monate mit 44 Milliarden CHF um 5 Prozent tiefer als 2019.

Nachfrist für Sunrise-Angebot: Beim laufenden Übernahmeverfahren (CHF 110 pro Aktie) startet die UPC-Mutterfirma Liberty Global am 15. Oktober die Nachfrist bis zum 28. Oktober. Liberty hält nach Ablauf des Angebotes rund 82 Prozent der Aktien. Anschliessend ist die Zwangs-Dekodierung geplant.

Lonza hat ebenfalls am Donnerstag ihre Neuausrichtung vorgestellt und unter anderem auch die eigenen Ziele bis 2023 erhöht. Die Aktie tendierte gegen den allgemeinen Trend deutlich fester.

Auch die Aktien von Aryzta (frühere Hiestand) verzeichneten überraschend kräftige Kursgewinne. Beobachter verweisen auf Presseberichte, wonach der hochverschuldete Backwarenhersteller bald übernommen werden soll.

Der Bundesrat sichert sich weitere Impfdosen durch Kauf beim britischen Pharmakonzern Astra Zeneca. Mit dieser Strategie beabsichtigt unsere Regierung, für genügend Impfstoff gegen das Corona-Virus zu sorgen.

Aussichten

Diesen und nächsten Monat finden wichtige Wahlen und Abstimmungen statt. Wichtig sind einmal die US-Wahlen am 3. November. Bei einer Wiederwahl von Donald Trump dürfte sich politisch wenig ändern. Joe Biden wäre weniger wirtschaftsfreundlich, würde vermutlich der Pharmaindustrie an den Karren fahren (Preissenkungen erzwingen).

In der Schweiz geht es am 29. November um die Konzern-Verantwortungs-Initiative und die Initiative für ein Verbot der Waffenfinanzierung. Knappe Resultate sind zu erwarten.

Viel hängt weiterhin von der Coronakrise und Pandemiepolitik ab. Steigende Fallzahlen und die Nachwirkungen des Lockdowns dürften noch lange anhaltende und harte Folgen für die Schweizer Volkswirtschaft haben.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24