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Sport
19.10.2020
20.10.2020 23:13 Uhr

"Ein idiotischer Entscheid!"

Die Zuschauer haben sich an die Schutzvorschriften gehalten und werden trotzdem wieder ausgesperrt. (Bild: Keystone)
Lars Morger, Sportredaktor bei unserem Partnerportal March24, ist mit dem Entscheid der Berner Regierung, Grossveranstaltungen über 1'000 Personen zu verbieten, nicht einverstanden.

Der Kanton Bern machte am Sonntag als erster Schweizer Kanton den Schritt: Grossveranstaltungen mit über 1'000 Personen werden nach nicht einmal drei Wochen wieder verboten. Auch die Kantone Basel-Stadt und Zürich denken über denselben Schritt nach. Zu hoch seien momentan die Coronazahlen, zu gefährlich Veranstaltungen mit über 1'000 Besucherinnen und Besucher. 

Der Entscheid löst grosses Unverständnis bei den Sportklubs aus. «Das ist ein 'Chlapf a Gring', wie man auf gut Berndeutsch sagt. Aus unserer Sicht ist dieser Entscheid nicht nachvollziehbar», sagt National-League-Direktor Denis Vaucher gegenüber «Blick». Besonders ärgert die Klubs, dass es der Kanton verpasst habe, genügend Ressourcen für das Contact Tracing aufzubauen und nun diesen Entscheid fälle, der (vorerst nur) die Berner Klubs erneut in eine riesige Unsicherheit stürzt.

Der Ärger der Verantwortlichen der Klubs ist absolut verständlich. Die Fussball- und Hockeyklubs haben Unsummen ausgegeben, um die perfekten Schutzkonzepte zu erarbeiten und die Stadien so umzubauen, dass sie den Vorgaben der Kantone entsprechen. Sitzplätze wurden für viel Geld in die Stehplatzkurven gebaut, damit die Sitzplatzpflicht eingehalten werden kann. Immer mit dem Gedanken, dass zwei Drittel der Sitzplätze besetzt werden dürfen. Damit Spitzensport auch in Krisenzeiten mit Zuschauern rentabel ist. Damit ein Stück Normalität zurückkehrt. Diese ist nun zumindest im Kanton Bern wieder vorbei - dank der Wiedereinführung dieser unsinnigen und starren 1'000er-Begrenzung.

Doch nicht nur die Klubs, sondern auch die Fans werden kollektiv für gutes Verhalten bestraft. Denn wie sich in den letzten knapp drei Wochen gezeigt hat, funktionieren die Schutzkonzepte der Vereine. Die Zuschauer halten sich penibel an die Vorschriften. Sie springen über ihren eigenen Schatten und tragen die Masken wie vorgeschrieben, wie auch ein Matchbesuch des Autors zeigt. Konsumiert wird auf den Sitzplätzen, zu grossen Ansammlungen kommt es nur sehr selten – und wenn, dann wird ja noch immer eine Maske, das Wundermittel gegen Corona, getragen.

Ausserdem gibt es noch keine Hinweise darauf, dass eine sportliche Grossveranstaltung zu einem Superspreader geworden ist. Überhaupt ist noch keine Ansteckung mit den Events in Verbindung gebracht worden. Nun wird den Veranstaltern nach nur drei Wochen ein Messer in den Rücken gerammt – obwohl der Bundesrat am Sonntag noch explizit betonte, wie vorbildlich die Klubs und die Zuschauer die Schutzkonzepte umsetzen.

Stand jetzt scheint es so, als ob die Kantonsregierungen die Corona-Pandemie nicht mehr im Griff haben. Überall kommt es zu Ansteckungen, die Zahlen explodieren. Dass nun wie schon mehrere Male in dieser Krise der Spitzensport darunter leiden muss, kann nicht sein! Denn der Sport ist nicht der Treiber der negativen Entwicklung.

Lars Morger, Redaktion March24 & Höfe24