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Wirtschaft
08.07.2021
12.07.2021 06:48 Uhr

Aktienmärkte auf der Achterbahn

Christopher Chandiramani: «Die Märkte sind nervöser geworden, das hängt mit dem hohen Aktienpreisniveau zusammen.» Bild: PD
Fallende Anleihenszinsen haben die Aktienbörsen zunächst auf Rekordniveau gehievt. Angst vor neuen Corona-Varianten haben die Kurse anschliessend wieder in den Keller geschickt.

Die Publikation von Sitzungsprotokollen der US-Notenbank FED haben beruhigt, ebenso andere schwächere Wirtschaftsdaten wie der PM-Index (Einkaufsmanager). Auch die Europäische Zentralbank EZB hat ihre geldpolitische Strategie erneuert und das Inflationsziel höher gesetzt. Künftig und mittelfristig wird eine Teuerungsrate 2 Prozent anvisiert – das alles bedeutet vorerst keine höheren Leitzinsen. Das gab nochmals Schub für die Aktien. In der Schweiz erreichte der SMI mit 12‘085.5 Zählern am Mittwoch einen neuen Rekordstand beim Index. Nach dem Börsensturz vom Donnerstag, beendete der Freitag die Woche leicht versöhnlicher. Die Angst vor dem Corona-Virus flammt immer wieder auf. Neue Varianten breiten sich aus. Im Fernen Osten wurden die Massnahmen wieder verschärft. Die bevorstehenden olympischen Wettkämpfe sollen zum Präventivschutz in Form von Geisterspielen (ohne Zuschauer) durchgeführt werden. Im Zuge der Börsenkorrektur konnte der Schweizer Franken gegenüber anderen Währungen zulegen. Der Bitcoin fiel auf 28‘000 USD zurück. Auch Erdöl wurde teurer, nachdem sich die OPEC-Konferenz nicht auf die Fördermengen einigen konnte. Der Boom erfasst den Arbeitsmarkt, die offizielle Arbeitslosenrate in der Schweiz ist seit Jahresbeginn von 3.7 auf 2.8 Prozent gesunken. Langzeit-Arbeitslose (über 50( haben jedoch weiterhin Probleme mit der Jobsuche. Wohnen wird teurer, die Preise für Wohneigentum steigen rasant. Auch die Mieten dürften bei uns in den kommenden Monaten weiter anziehen.

Unternehmensnachrichten

Nach 23 Jahren verlässt Swatch die erste Liga der grüssten Schweizer Firmen bzw. den Aktienindex SMI und wird durch Logitech ersetzt. Beim Index den mittelgrossen Unternehmungen (SMIM) wird Clariant gegen Vifor Pharma getauscht. Massgebend und Hauptkriterien für die Auswahl in den Index sind Börsenkapitalisierung und Handelsumsatz. Relevant ist die Zusammensetzung vor allem bei Optionen, Termingeschäften (Futures) und Indexfonds. Die Aktien des Maschinenbauers Rieter waren nach Aussagen zum Bestelleingang im ersten Halbjahr 2021 stark gesucht, dieser stieg auf 975 Mio. CHF (Vorjahr 640 nach dem Corona-Einbruch). Die Post bereitet im Hintergrund den Börsengang von Swiss Post Solutions SPS vor. Die im Dokumentenmanagement tätige Firma macht ihre Pläne konkret. Mit der Durchführung des Börsengangs im Herbst sind wie bekannt die Grossbanken UBS und CS federführend. Ein vom Baukonzern Implenia geführtes Joint-Venture hat den Auftrag für den Bau für Teile des Mont-Cenis-Bahntunnels (Strecke Turin-Lyon) erhalten. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf umgerechnet 250 Mio. CHF.

Aussichten

Die Märkte sind nervöser geworden, das hängt mit dem hohen Aktienpreisniveau zusammen. Wir befinden uns zurzeit gefühlsmässig in einem Dreieck zwischen Zinsen und Inflation, Corona-Ängste sowie einer kräftigen Wirtschaftserholung. Hinzu kommen in nächsten Wochen die Halbjahreszahlen der Unternehmungen. Die Erwartungen sind hoch. Zykliker (Maschinen/Elektronik) und die Pharmaindustrie haben die Nase vorne. Aufgrund der Unwetter müssen Versicherungen mit umfangreichen Schadenszahlungen rechnen. Die Banken sind Verlierer wegen tieferer Zinsen. In diesem Bereich kann jedoch profitieren, wer einen Hypothekarkredit braucht oder erneuert. Die Sätze sind seit dem Jahresbeginn gefallen, bieten günstigere Einstiegsgelegenheiten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24